In gut eineinhalb Monaten geht es los mit dem ersten Event der Audi Skicross Tour in Villars. Vom 11. bis 13. Januar 2019 kämpfen die Nachwuchs- und Eliteathleten beim Pre-YOG Event um die vorderen Plätze. Um den betroffenen Personen den Puls zu fühlen, wagen wir in vier Episoden, welche wöchentlich erscheinen, einen Ausblick auf die Saison 2018/19. Damit ihr einen Einblick in das unmittelbare Geschehen erhaltet, befragen wir jeweils einen direkt Involvierten. Den Auftakt macht der Cheftrainer des Swiss Skicross Team, Ralph Pfäffli. Er erklärt, welchen Stellenwert die Tour für den Leistungssport hat.

Man hört immer wieder, dass die Audi Skicross sowie die Kids Tour Ausgangspunkt von vielversprechenden Karrieren im Skicross sind. Bestätigt sich dies auch bei deinen Athleten?
Ralph Pfäffli: Eine nationale Serie im Skicross gibt es seit fast 20 Jahren und es sind etliche Karrieren daraus entstanden. Neben neue Stars zu finden, besteht die Hauptaufgabe darin, die Sportart als solches näher zu den Leuten zu bringen. Das Format, Mann gegen Mann über Hindernisse, macht Spass und vereint technische sowie taktische Fähigkeiten. Es beinhaltet Freestyle- sowie Alpin-Elemente und ist einfach zu verstehen.

Bei den Schweizermeisterschaften im Hoch-Ybrig bist du mit deinem Weltcup Team an einem Stopp der Tour anwesend. Wie erlebst du jeweils die Stimmung an diesem Event?
Es ist immer eine tolle Stimmung, wenn sich das Nationalkader und die Amateure an einem solchen Anlass treffen. Man tauscht sich aus, es wird gefachsimpelt und neue Freundschaften entstehen. Berührungsängste gibt es keine und es herrscht viel Freude und Spass, wobei auch der Ehrgeiz nicht zu kurz kommt und jeder gewinnen möchte.
Wir versuchen bei jedem Audi Skicross Anlass jemanden von unserem Staff vor Ort zu haben, um eben auch ein sogenanntes «Scouting» durchzuführen. Das heisst, wir halten Ausschau nach neuen Talenten.
Die Schweizermeisterschaften sind für das Nationalkader obligatorisch, denn ich empfinde es als wichtig, dass man mit dem Nationalkader bei solchen Anlässen anwesend ist. So zeigen wir den Teilnehmern und Zuschauern, dass wir uns um den Nachwuchs kümmern. Auch den Sponsoren, wie beispielsweise Audi, können wir durch unsere Anwesenheit ein kleines Dankeschön zurückgeben. Es ist meistens einer der letzten Events in unserem Kalender und die Athleten nehmen gerne daran teil, um sich mit der Skicross-Kommune zu messen und auszutauschen. Zusätzlich geht es um den Titel des Schweizermeisters, welcher natürlich einen grossen Reiz hat.
Der Anlass unter der Leitung von Didi Waldspurger ist immer toll und professionell organisiert und das Publikum, welches zahlreich vor Ort ist, sieht spannende Rennen und Fights.

Du als Cheftrainer siehst immer wieder die Stärken und Schwächen deiner Athleten. Auf was sollte man im Training und bei den Rennen mehr achten?
Wir versuchen immer wieder neue Ansätze für die Trainings zu finden, damit wir besser werden. Natürlich habe ich ein paar Grundsätze mit wichtigen Punkten, welche ich schon lange habe. Es ist klar, dass die alpinen Fähigkeiten, wie Riesenslalom, Slalom und Super G zu unseren täglichen Trainingseinheiten gehören. Dann kommen die Elemente, wie der Start, Sprünge und Wellen dazu, die sich gut im Freestyle-Park trainieren lassen. Ein guter Skicrosser braucht aber auch viel Erfahrung im Kampf gegen die Anderen. Das taktische Verhalten, das Reagieren auf Bewegungen und Manöver der Gegner sowie das Bereitlegen einer Strategie sind enorm wichtig.
Ich sage deshalb immer, ein richtiger Wettkampf ist das beste Training. Im Training wird oft vorsichtiger und rücksichtsvoller gefahren. Hier reizen die Athleten noch nicht das Limit aus. Im Rennen lässt man dann einen Gegner nicht mehr so einfach vorbei. Wir haben früher mit dem Team, als noch nicht so viele Weltcuprennen auf dem Programm standen, an jedem machbaren Rennen in Europa teilgenommen, um unsere Erfahrung zu vergrössern. Heute ist dies durch den umfangreichen Terminkalender nicht mehr möglich. Ich empfehle deshalb allen, die Audi Skicross Tour regelmässig zu nutzen, es auch als Training zu sehen und möglichst viel Spass dabei zu haben.

Wie sehen die Tipps eines erfahrenen Trainers für die Athleten der Audi Skicross Tour aus? Was würdest du ihnen mit auf den Weg geben?
Die bereits erwähnten Tipps zum Training sind sicher wichtig. Es gibt unterschiedliche Teilnehmer bei dieser Tour. Solche, die einfach nur den Fun dieses Events erleben wollen, jene, die den Ehrgeiz haben sich zu messen und wiederum andere, die gerne eine Karriere im Skicross machen möchten. All diesen Fahrern möchte ich den Tipp geben, dass Skicross eine coole Sportart ist. Das Format mit vier Fahrern und einem K.O.-System ist eine ursprüngliche Austragung des Kräftemessens im Eins gegen Eins. Es macht Spass, bringt Adrenalin und nach einem absolvierten Skicross hat man ein breites Lächeln auf dem Gesicht. Selbst für Alpin-Athleten ist es eine Abwechslung und bringt Erfahrungen für die Abfahrt und den Super G.

Du bist bereits einige Jahre im Business. Wie kann die Sportart Skicross sowie die Audi Skicross Tour in der nächsten Zeit nachhaltig gefördert werden?
In dieser Hinsicht gibt es verschiedene Bestrebungen. Sei es Marketing, Mitglieder, Streckenbau oder auch TV-Zeiten.
Es ist wichtig diese Sportart zu fördern und neue Anhänger für den Skicross zu finden. Dies hat mit der Bekanntheit der Sportart zu tun. Mehr Teilnehmer bedeuten auch mehr Events. Der Sport und das Format sind sehr telegen und einfach zu verstehen. Es ist aber so, dass es sehr viele verschiedene Wintersportarten gibt und es deshalb schwierig ist, in der relativen Bedeutung der verschiedenen Sportarten nach vorne zu rücken.
Auch das Kreieren von Stars ist ein Weg, um vorwärts zu kommen. Wir selber können nur besser werden und für mehr Aufmerksamkeit sorgen. Dies gilt auch für die Audi Skicross Tour.
Im Moment gibt es so viele Kategorien auf dieser Tour, dass es oft zu Kompromissen beim Kursbau kommt. Eine Idee wäre, dass man vereinzelt wieder Rennen mit grösseren Schwierigkeiten und Anforderungen veranstaltet, damit dies auch Athleten aus aller Welt anziehen würde.

Eine Frage, welche sich nicht um die Audi Skicross Tour dreht, soll erlaubt sein. Am 6. Dezember ist Weltcup Start. Wie sieht dein Plan bis dahin aus? Was dürfen wir von deinem Team erwarten?
Wir trainierten bis Ende Oktober auf dem Gletscher in Saas-Fee. Wir hatten dort für drei Monate unsere Zelte aufgebaut und trainierten bei super Bedingungen. All die grossen Mannschaften der Skicross-Welt waren bei uns zu Gast. Im November ist noch mal Konditionstraining angesagt, um dann für den WC-Start voller Energie zu sein. Zudem machen wir noch Skitests, Leistungstests und passen unsere neuen Renndresse an. Ende November werden wir dann als Hauptprobe noch die Österreichischen Meisterschaften und den Europacup im Pitztal bestreiten, um in den Rennmodus zu gelangen. Danach geht’s los.
Eine Prognose vor dem ersten Rennen ist immer schwierig, aber laut meinen Erfahrungen und den Eindrücken, die ich aus dem Training habe, sind wir bereit. Die Verletzten sind fast alle vollständig genesen und bei allen Athleten fügen sich die Puzzlesteine sehr gut zusammen.
Unsere Hauptziele für diese Saison sind die Heimweltcups in Arosa, das Finale von Veysonnaz und anschliessend natürlich die WM in der USA, wo wir die Männerbilanz an Skicross-Weltmeisterschaften aufbessern wollen.